Balsthal, 05.07.2012 – An einer Podiumsdiskussion in der Jugendherberge Solothurn diskutierten Mitglieder der Schweizer Delegation an der UNO-Nachhaltigkeitskonferenz in Rio de Janeiro mit Vertretern des Kantons Solothurns und der Solothurner Wirtschaft. Heisses Thema war das Konzept der grünen Wirtschaft und die Frage, ob der Kanton Solothurn diesbezüglich gut aufgestellt ist. Mit der Veranstaltung wurde das 10jährige Jubiläum der Lokalen Agenda 21 im Kanton Solothurn gefeiert.

Ende Juni beschloss die Staatengemeinschaft am UNO-Erdgipfel in Rio de Janeiro, Brasilien, dass sich auch die Wirtschaft vermehrt an der Nachhaltigen Entwicklung beteiligen soll. Das Schlagwort lautet Green Economy (Grüne Wirtschaft). Die Schweiz beteiligte sich mit grossem Engagement an diesem Rio+20 Gipfel. Sie setzte sich unter anderem für einen zielstrebigen Fahrplan zur Umsetzung der grünen Wirtschaft ein.

Die Lokale Agenda 21 des Kantons Solothurn hat zwei Mitglieder der Schweizer Delegation nach Solothurn eingeladen. Daniel Wachter, Leiter der Sektion Nachhaltige Entwicklung des Bundesamts für Raumentwicklung, und Nick Beglinger, Präsident Swiss Cleantech, loteten gemeinsam mit hochkarätigen kantonalen Vertretern aus Wirtschaft und Verwaltung Chancen und Grenzen der Beschlüsse in Rio und der grünen Wirtschaft aus. «Die in Rio erzielten Resultate sind nicht so schlecht, wie einige Medien dies gemeldet haben», so Daniel Wachter. Es sei sehr viel, ja zu viel erwartet worden von Rio. Positiv zu vermerken sei, dass die Schweiz in der globalen Nachhaltigkeitsdiskussion eine sehr aktive Rolle einnehme und dabei auch ernst genommen werde. Zudem seien am Gipfel das Bekenntnis zu bisherigen Beschlüssen erneuert und das Thema der grünen Wirtschaft zum ersten Mal in einem offiziellen Dokument verankert worden.

Gemäss Karl Brander, Leiter Standortpromotion und Ansiedlungen der Solothurner Wirtschaftsförderung, hat der Kanton Solothurn eine Cleantech-Strategie ausgearbeitet, in welche viele der in Rio diskutierten Anliegen bereits eingeflossen sind. «Mit unserer Strategie wollen wir Firmen für die Cleantech-Thematik sensibilisieren und sie bei der Umsetzung direkt unterstützen. Gleichzeitig erwarten wir von der Politik die richtigen Anreizmechanismen», so Brander. Roland Fürst geht von einem steigenden Druck auf natürliche Ressourcen und eine Erhöhung der Energiepreise aus. «Die Umsetzung einer Cleantech-Strategie macht deshalb Sinn», so Fürst.

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass der Trend in Richtung Ökologisierung unseres Wirtschaftssystems auch für die Solothurner Wirtschaft zukünftig weit reichende Konsequenzen haben wird. «Die Schweiz ist in vielen Umweltbereichen wie dem Gewässerschutz oder der Luftreinhaltung top – nicht aber beim Ressourcenverbrauch. Längerfristig braucht es Rahmenbedingungen, welche es den Firmen erleichtern, ressourceneffizienter zu werden und auf erneuerbare Energien zu setzen», sagt Daniel Wachter, und Nick Beglinger ergänzt: «Heute fliessen sechs Mal mehr Subventionen für fossile Energieträger als für erneuerbare. Es braucht intelligente Rahmenbedingungen, weniger regeln, aber die richtigen.» Dem stimmt auch Josef Maushart, CEO der Fraisa SA, Bellach, zu und mahnt gleichzeitig: «Die Schweizer Wirtschaft exportiert 42% ihrer Produkte, den allergrössten Teil davon in die EU und in die USA.» Deshalb brauche es internationale Vereinbarungen mit diesen Partnern. Ein Alleingang der Schweiz beim Setzen von Rahmenbedingungen würde laut Maushart einen Wettbewerbsnachteil für die Schweizer Wirtschaft nach sich ziehen.»

Die Debatte um die grüne Wirtschaft und ihre Bedeutung für die Solothurner Unternehmen ist damit lanciert. Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass diese auch engagiertes politisches und wirtschaftliches Handeln nach sich ziehen muss.

Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen des 10jährigen Bestehens der Lokalen Agenda 21 im Kanton Solothurn statt. 2002 hat der Regierungsrat eine breit abgestützte Trägerschaft zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung eingesetzt. Mit der operativen Umsetzung ist die Geschäftsstelle Lokale Agenda 21 Kt. SO beauftragt. In enger Zusammenarbeit mit dem Kanton koordiniert und initiiert sie die Bestrebungen in Richtung nachhaltige Entwicklung. In ihrem Schwerpunktprogramm 2012-2014 verfolgt die Lokale Agenda 21 das Ziel, die Öffentlichkeit sowie die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung konsequent auf Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und sie bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsprozessen zu begleiten.

Details zur Veranstaltung:
Podiumsdiskussion: Alles grün oder was? Grüne Wirtschaft im Kanton Solothurn – Folgerungen aus der UNO-Nachhaltigkeitskonferenz Rio+20
Datum: 4. Juli 2012, 18.30-20.00 Uhr, anschliessend Apéro
Ort: Jugendherberge Solothurn, Rötisaal

Podiumsteilnehmer:
–    Nick Beglinger, Swiss Cleantech
–    Dr. Karl Brander, Wirtschaftsförderung Kt. SO
–    Roland Fürst, Direktor Solothurner Handelskammer
–    Josef Maushart, CEO Fraisa SA
–    Prof. Dr. Daniel Wachter, Bundesamt für Raumentwicklung

Moderation:
–    Marius Christen, Lokale Agenda 21 Kt. SO

Adresse für Rückfragen
Geschäftsstelle Lokale Agenda 21 Kt. SO, Verein Region Thal
Patrick Bussmann – Telefon: 062 386 12 36
Email: patrick.bussmann@nullregionthal.ch

Weiterführende Links
Lokale Agenda 21 Kt. SO
Wirtschaftsförderung Kt. SO

Fotos vom Anlass
Daniel Wachter – Josef Maushart – Nick BeglingerKarl BranderMarius ChristenRoland Fürst – Podium – Podium mit Gästen

Medienberichterstattung vom Anlass
Medienmitteilung als pdf.
Bericht DRS1 Regionaljournal Aargau Solothurn vom 5. Juli 2012
Bericht Solothurner Zeitung vom 6. Juli 2012